Igelkinder

 

09.09.00

Hoppala, noch ein Eintrag. Die letzten beiden Tage war schönes Wetter, so dass es wieder Fotos gibt. Allerdings sind sie teilweise nicht so völlig scharf. Die Igel wachsen so schnell, dass man fast zuschauen kann. Jetzt sehen sie nicht mehr wie Babys aus, sondern wie freche, halbwüchsige Igel.

 

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an Moritz, dem kleinsten, sieht man deutlich, wie sehr die Igelchen gewachsen sind

 

Wir haben ihnen ein erstes Freigehege im Garten gebaut. Es ist noch nicht allzu groß, aber für die nächste Zeit dürfte es langen. Wir haben einen Bereich, der auch einen Baum und Platz zum Buddeln enthält, mit einem Hasenzaun abgegrenzt, den Andrea am unteren Ende in den Boden eingegraben hat. Damit die Igel nicht zum Festschmaus für einen Räuber werden, haben wir das Gehege oben mit einem "Vogelschutznetz" abgespannt. Das haben wir mit vielen Schleifen aus Geschenkband verziert, damit die Vögel es bemerken und sich nicht darin verfangen. Etwas besser sichtbares wäre uns lieber gewesen, war im Baumarkt aber nicht auftreibbar. Wenn die Igel so groß sind, dass wir anbauen müssen, können wir das Netz hoffentlich weglassen. Andrea hat bei der BayWa schon vor einiger Zeit 5 Igelkuppeln (Informationen unter www.holzbeton.de) bestellt, die den Igeln später als Behausung und Winterquatier dienen können. So langsam geht das Projekt Igel richtig ins Geld.

 

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das Freigehege

 

Als nächstes brauchen wir noch ein Futterhäuschen. Andrea hat es zunächst mit Plastikkästen versucht (man sieht sie im Bild), aber die sind zu klein. Ausserdem wäre es besser, wenn man das Futterhäuschen oben öffnen könnte. Die Igel fühlen sich im Gehege sauwohl, besonders unter dem Baum, wo niedrige Pflanzen und freie Erde ist. Immer wieder finden sie irgendwas, das sie für essbar halten.

 

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Max im "Wald"

 

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Moritz auf der Pirsch

 

Eine unangenehme Eigenart haben die Igel entwickelt: Sie schmusen weiterhin sehr gerne, kommen, wenn man ihnen die Hand hinstreckt ,aus allen Richtungen um zu belecken und zu beknabbern. Dabei schmiegen sie sich an die Finger, um an Kopf und Bauch gekrault zu werden. Sie sind unheimlich lieb, nett und artig. Aber plötzlich beissen sie zu! Einfach so, aus der Schmuserei heraus. Bisher zwar nicht stark genug, dass Blut fliesst, aber doch schon deutlich schmerzhaft. Sie lassen auch nicht immer gleich loss, wenn man "Aua!" schreit, sondern halten den Kiefer erst mal geschlossen. Da kann es schon sein, dass der Igel hängen bleibt, wenn man die Hand hebt. Blöde Situation, es tut richtig weh, aber man kann ja auch nicht einfach die Hand wild schütteln, bis der Igel abfällt, das könnte ihn ja verletzen.

 

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da kommt ein lieber kleiner Igel, will nur schmusen...

 

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...aber wenn die Kleinen auf den Geschmack kommen...

 

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...wird auch schon mal zugebissen

 

Wir wissen nicht, ob das normale Igelzärtlichkeit ist (wenn man solche Stacheln hat, sieht man die Begriffe "körperliche Nähe" und "Zärtlichkeit" vielleicht unter einem etwas rustikaleren Aspekt) oder ein pubertierendes Verhalten. Eigentlich haben wir uns vorgenommen, ihnen auf die Bisse mit einem ärgerlichen Igelzischen zu antworten (damit sie bermerken, dass wir ihr Benehmen missbilligen). Aber das ist nicht so leicht; wenn ein Igel so richtig knackig zubeisst, schreit man instinktiv "Aua". Und Aua scheint nicht zum Igelvokabular zu gehören.

Für die Liebhaber von Videosequenzen habe ich ein paar mpeg-Videos bereitgestellt. Aber aufgepasst; jedes Video läuft nur 15 Sekunden und ist 1,3 MB groß. Ob sich die Downloadzeit lohnt (etwa 3,5 Minuten mit ISDN pro Video), muß jeder selbst entscheiden. Mein Lieblingsvideo ist "Jurassic Park". Ich habe mir schon überlegt, ob ich es nicht mit stampfenden Schritten und uhrzeitlichen Brüllen nachvertonen soll :-) .

5 wuselnde Igel vom 24.8.00

Miss Piggi wird gesäugt vom 26.08.00

Siberschwänzchen folgt der Flasche vom 29.08.00

Igel unter sich vom 08.09.00

Jurassic Park vom 09.09.00

Tip: Um ein mpeg-Video mit dem Internet Explorer abzuspeichern, klicken Sie den Link mit der rechten Maustaste an und wählen "Ziel speichern unter" im Kontextmenü.
So das wars mal wieder für heute.

 

10.09.00

Eigentlich wollte ich ja so bald nicht mehr schreiben. Aber heute abend ist etwas geschehen, was uns erschreckt hat. Als wir gegen 23:00 vom Abendessen beim Griechen nach Hause kamen, bemerkte Andrea, dass ein Tier im Garen war. Wir hatten zunächst Sorge, dass es ein Räuber sein könnte, dem die Igel in der Nase liegen. Aber nein, es war ein anderer Igel. Wir sahen ihn durch den Rasen huschen und recht nahe am Freigehege in einem Bambusbusch untertauchen. Er sah wohlgenährt aus und "gepflegt". Ups dachten wir uns, dass wird doch nicht die Mutter sein! Vielleicht war sie irgendwo für ein paar Tage eingesperrt oder wurde von irgendjemand mit nach Hause genommen. Und jetzt ist sie wieder frei und sucht verzweifelt nach ihren Jungen!

Wir wussten zunächst nicht, was wir tun sollten. So setzten wir uns zu dem Freigehege und warteten ab. Der Igel blieb im Bambus hocken und schien ebenso abzuwarten. Nach einer Weile dachten wir uns, schauen wir doch mal, ob es ein Männchen oder ein Weibchen ist. Aber der Igel wollte sich (verständlicherweise) nicht unter den Rock sehen lassen und rollte sich zusammen. Was nun? Wenn es wirklich die Mutter war, die nach so langer Zeit immer noch verzweifelt zu ihren Jungen wollte, dann mussten wir sie ihr doch wieder übergeben! Wenn es dagegen ein fremder Igel war, dann würde er den Kleinen wahrscheinlich erstmal nichts tun. Wie wir aus dem Buch wussten, sind Igel zwar Einzelgänger, aber nicht territorial. Selbst wenn es zu einem Streit kommen sollte, würde der bestimmt zunächst mit Schnaufen, Puffen und Abkugeln beginnen und wir hätten Zeit zum Eingreifen.

Also legten wir den fremden Igel mit in das Freigehege und setzten uns einige Meter weit entfernt still hin. Miss Piggi und später auch Max, die gerade in der Gegend weilten, kamen auch gleich sehr interessiert zu der großen Kugel, rochen an ihr, bohrten ihre Nase zwischen die Stacheln und begannen zu lecken. Danach bespeichelten sie sich wie wild. Nach einiger Zeit entrollte sich der Große und lief weiter in das Gehege hinein. Die Kleinen folgten ihm nicht gerade, sondern stromerten umher, frassen etwas und stiessen wieder  zu ihm. Erneut gingen sie auf ihn zu, wobei er jedoch nicht sonderlich begeistert erschien. Zwar verbiss er sie nicht oder scheuchte sie direkt weg, aber reagierte auf ihre Annäherungsversuche mit verhaltenen Schnaufen und leichten Abkugeln.

Wir kamen wieder ins Grübeln. Selbst wenn es die Mutter wäre, wie könnten wir sicher sein, dass sie die Jungen nach so langer Zeit annähme? Und wenn es nun zwar ein Mutterweibchen wäre, aber von einem anderen Wurf? Auf jeden Fall konnten wir den fremden Igel nicht im Gehege lassen (das wäre übrigends auch verboten!) und auf der anderen Seite nicht einfach unsere Kleinen hinauslassen. So entschlossen wir uns, den Fremden wieder hinauszusetzen. Wir fühlten uns dabei jedoch nicht sonderlich wohl, hiess das doch, vielleicht eine Familie auf Dauer zu trennen. Wenn wir den fremden Igel in den nächsten Tagen wiederholt sehen sollten, dann würden wir neu überlegen (vergleichte hierzu auch die Anmerkungen von Fr. Seewald).

Wir holten den großen Igel aus dem Gehege und legten ihn in unsere Nähe. Glücklicherweise rollte er sich so langsam auf, so daß wir, bevor er entschwand, seinen Bauch sehen konnten. Erleichtert bemerkten wir, dass es ein Männchen zu sein schien. Das hieß, dass wir uns keine Gedanken darüber machen mussten, wie wir weiter vorgehen. Wir hatten nur weiter die lieben Kleinen am Hals (seufz). Später haben wir dem Fremden noch ein Schälchen Futter herausgestellt, als Ausgleich für die Aufregung.

Nachdem ich probeweise einmal geblitzt habe, ohne dass es die Igel gross zu stören schien, habe ich ein paar wenige Bilder gemacht. Leider hat meine digitale Kamera keinen Sucher, sondern nur einen (in der Nacht völlig schwarzen) LCD-Monitor, so dass ich nicht sah, was ich aufnahm.

 

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das war schon ein anderes Kaliber als unsere Kleinen

 

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Miss Piggi und später auch Max nähern sich ihm interessiert und bohren ihre Nasen zwischen seine Stacheln um ihn schmatzend abzulecken

 

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...aber wenn sie sich auch noch so sehr bespeicheln, der schmeckt nicht nach Mami!

 

Übrigends sind unsere Igelchen wieder viel artiger als gestern. Heute hat keiner richtig fest zugebissen. Ausserdem bemerkte ich, dass sie auch gestern noch nett gewesen sind. Als ich mit Lederhandschuhen bewaffnet, in das Gehege ging, um den großen Igel hinauszusetzen, kamen Max und Miss Piggi gleich auf mich zu um mit mir zu spielen. Hätten die gestern so in meine Haut gebissen wie heute in die Handschuhe, dann wäre wohl wirklich Blut geflossen. Anscheinend müssen sie erst lernen, dass Menschenhaut etwas empfindlicher ist als Igelleder.

 

2 mpegs von heute nachmittag habe ich noch:

Miss beim Spielen vom 10.09.00

Max und Silver beim Schmusen vom 10.09.00

 

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zum Abschluss noch Max, Silver und Miss Piggi beim Schmusen

 

 weiter gehts im Kapitel "Halbstarke Igel"

 

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