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Weiter unten folgt der Brief, den uns Fr. Seewald vom Pro Igel e.V. auf unseren Wunsch zugesandt hat. Wir möchten allen, die Rat bei der Igelaufzucht suchen dringend empfehlen, den Brief aufmerksam durchzulesen. Leideren. Leider gingen bei der Konvertierung ins HTML-Format einige Formatierungen verloren.
Da die Email.Adresse sich geändert hat, habe ich sie aus dem Brief gelöscht. Hier sind die aktuellen Kontaktdaten:
Pro Igel e.V. - Geschäftsstelle
Lilienweg 22
D-24536 Neumünster
Telefon: 01805–555- 9555
Telefax: 04321–939479
E-Mail: info@pro-igel.de
pro Igel
Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e.V.
Herrn Matthias Sokoliuk
Per E-Mail
pro Igel
Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e.V.
Redaktion Igel-Bulletin
Ulli Seewald
Münster, 15. September 2000
Sehr geehrter Herr Sokoliuk!
Herzlichen Dank für den Hinweis auf Ihre Seite im Netz mit dem schön gestalteten Pflegebericht über die Aufzucht der fünf Igelbabys. Wir freuen uns, daß Sie die Babys erfolgreich aufziehen konnten, denn das ist wirklich nicht einfach. Auch Ihre Fotos sind ganz entzückend. Ich möchte Sie fragen, ob wir Ihre Bilder evtl. einmal für unsere Fachzeitschrift “Igel-Bulletin” verwenden dürfen? Wir machen selbstverständlich bei unseren Veröffentlichungen grundsätzlich Hinweise auf Quellenangaben bzw. das © von Fotografen und/oder Autoren, die uns Druckerlaubnis erteilen..
Auf Ihre Bitte hin habe ich die Seite genau durchgesehen, aber wegen des Umfangs Ihres Textes konnte ich nicht auf alles eingehen. Das meiste haben Sie bei der Aufzucht Ihrer Pfleglinge ganz richtig gemacht. Großes Kompliment, daß Sie sich bemüht haben, sich sachkundig zu machen, bevor Sie zur Tat schritten. Das ist das A und O, nur so kann Igelhilfe gelingen! Ich finde es auch ganz ausgezeichnet, wie Sie für Ihre Leser erklären, WIE man WO nach Informationen suchen soll.
Als Kommentar nenne ich Ihnen nach dem Datum in Ihrem Text aufgelistet die wichtigsten Dinge, die Sie auf der Seite ergänzen oder auch streichen oder bitte ändern sollten. Obwohl Sie eine Art Tagebuch vorlegen, sollten Sie möglichst nichts veröffentlichen, was falsch ist. Falls nämlich Igelfinder auf Ihren Bericht stoßen, haben diese es mit sachlich korrekten Informationen natürlich erheblich leichter. Einige Erläuterungen helfen Ihnen hoffentlich auch jetzt noch bei der richtigen Pflege der Tiere weiter.
1.Tipp: Verweisen Sie doch gleich auf der ersten Seite (bei Telefon) auf die Igel-Hotline, wenn möglich sogar fett gedruckt. Wir freuen uns sehr, daß Sie mit unserer Hotline Hilfe fanden, stoßen Sie andere auch gleich drauf.
2.Tipp: Führen Sie bei der Nennung von "Igelfrauen- und -männern" noch den Satz: "Wenden Sie sich an eine Igelstation" ein. Der Name ist zwar leider nicht offiziell anerkannt oder gar geschützt, sagt aber doch oft etwas über die Kompetenz der Pfleger, bei denen man sich als blutiger Anfänger Rat holen sollte. Bei Pro Igel kann man übrigens telefonisch erfahren, wo eine Igelstation in der Nähe des Wohnortes eines Igelfinders ist.
3.(17.8.00) Empfehlen Sie bitte für die Aufzucht von Igelbabys von Anfang an namentlich die HUNDEwelpenaufzuchtmilch ESBILAC. Nur diese ist in der Zusammensetzung so ausgewogen, daß auch die Aufzucht kleinster Babys gelingen kann. Das sofort zu wissen, kann gegebenenfalls Igelleben retten. Das Präparat ist besser verträglich als jede andere (Katzen-)Aufzuchtmilch. KMR, das auch von der Firma Albrecht/Aulendorf hergestellt wird, ist zwar eiweiß- und fettreicher als Esbilac, es enthält aber auch wesentlich mehr Milchzucker, und kann eher zu Blähbauchen führen.
4.(18.8.00, 21.8.00) Diesen Fehler sollten Sie bitte unbedingt aus dem Text entfernen: Spulwürmer können Ihre Igelchen nicht gehabt haben! Woher immer Sie die Information haben, daß dies bei kleinen Igeln häufig sei: Es kann nicht sein. Genau diese Würmer kommen bei Igeln NICHT vor. Allerdings werden Spulwurmeier manchmal mit Capillaria-Eiern verwechselt, weil sie ähnlich aussehen. Es ist möglich, daß kleinste Igel mit Kokzidien befallen sind, da die Kokzidiose schon durch die Igelmutter übertragen werden kann. Alle anderen Innenparasiten sind bei solch kleinen Igelchen relativ unwahrscheinlich, da die Ansteckung in erster Linie über Nahrungstiere als Zwischenwirte erfolgt. Da Sie nun kaum mehr herausfinden können, woran Ihre Igelbabys erkrankten, schreiben Sie besser einfach nur hin, daß Sie aus Sorge eine Kotprobe machen ließen, und die Igelchen auch nicht gesund waren. Sonst verwirren Sie Ihre Leser – und schaden andern Igelbabys, was Sie bei Ihrem Engagement für die stachligen Kerlchen bestimmt nicht wollen. So kleine Igel wie die Ihren werden grundsätzlich noch nicht entwurmt, das kann - je nach Medikament - tödlich enden. (18.8.00) Wichtig und vielleicht sogar fett zu drucken ist Ihr sehr richtiger Hinweis auf das “Toiletting” (Sie nennen es Bauchmassage oder Bauchkraulen) auch dann, wenn man Igelkot im Nest findet. Denn das ist tatsächlich nur der “Überlauf” von prall gefülltem Bläschen und/oder Gedärm, die Kleinen können einfach noch nicht alleine!
5.(21.8.00, 24.8.00) Bei dem Buch-Tip fand ich ein winziges Druckfehlerchen “Dieses” Buch muß es heißen. Weiter unten noch ein kleiner Dreckfuhler: Die Verfasserin des Igelbuches heißt “Neumeier”, nicht “Neumayer”.
6.(29.8.00) "Hill`s Prescription Diet a/d Canine Feline" ist nicht schlecht als Babynahrung, besser, weil eiweißreicher ware jedoch die Beimischung von feinst durchgedrehtem Rinderhackfleisch (Tatar). Dann lernen die Igelchen auch zu kauen. Haferflocken sind als Nahrungsmittel ungeeignet, wenn man sie beimischt, ist ihre Funktion die eines Ballaststoffes. Diesen sollte man anfangs sehr sparsam dosieren.
7.(1.9.00) Die Gewichtsentwicklung ist auffallend unterschiedlich bei den fünf Igelchen. Sie sollten pro Tag jetzt etwa 10 Gramm zunehmen. Gegebenenfalls ist es hilfreich, wenn Sie mehrere Futterschalen aufstellen, damit alle gleichzeitig futtern können. Denn der große Unterschied zwischen den Gewichten Ihrer Pfleglinge spricht dafür, daß nicht alle gleich viel abkriegen.
8. (1.9.00) Sie denken da schon recht weit: Winterschlaf und dann Auswilderung. Gesunde, junge Igel können bei guter Fütterung bis zu 100 Gramm pro Woche zunehmen. Sie erreichen also spielend noch in diesem Herbst ein Gewicht, das sie zur Auswilderung und damit zum Winterschlaf in der Natur befähigt.
9.(7.9.00) Die Aufzucht mit Spritzen (ohne Kanüle) wird deshalb immer wieder empfohlen, weil sie sich einfach am besten bewährt hat. Bei ganz kleinen Igeln kann man zusätzlich noch ein Stückchen Fahrradventilschlauch auf den Spritzenkonus stülpen. Spritzen haben - im Gegensatz zu Puppenmilchfläschchen - auch den Vorteil, dass man die Nahrungsmenge sehr exakt ablesen kann. Sie meinen es gut mit Ihren Überlegungen und Versuchen, aber warum nicht einfach von den Erfahrungen anderer profitieren und diese so weitergeben?
10.(7.9.00)Zur weiteren Aufzucht ist z.B. "Whiskas für Katzenkinder" zu empfehlen, es ist eiweißreicher als normales Katzendosenfutter.. Es ist sehr wichtig, daß die Ernährung kleiner Igel eiweiß- und fettreich ist! Das könnten Sie auch in Ihren Text schreiben. Je älter die Kleinen werden, desto abwechslungsreicher sollteder Speiseplan gestaltet sein: Ganz frisches rohes Tatar, später auch angebratenes Rinderhack oder Rührei sind gute Futtermittel für die Igelkinder. Rohe Eier gibt man Igeln besser nicht, wegen der Salmonellengefahr. Auf dem Foto von Moritz (9.9.00) sieht sein Bäuchlein kahl und noch rosafarben aus, ohne dichtes Fell. Das spricht in dem mutmaßlichen Alter von circa 3-4 Wochen eigentlich für einen ernährungsbedingten Mangel an Eiweiß. (7.9.00) Die neue Einstreu ist nicht für Igel geeignet, bitte kehren Sie zurück zu den Zeitungen und empfehlen Sie bitte nichts anderes. Das war ganz genau richtig! Sie täuschen sich, Kleintierstreu kann am Bauch, zwischen den Füßchen und Krallen etc. verkleben und wird möglicherweise auch ins Futter hineingetragen.Es saugt zwar den Urin auf, aber er ist deshalb nicht entfernt, und das ist alles andere als hygienisch. Die Zufriedenheit der Igelkinder läßt sich hier nicht ablesen, diese zeigt Ihnen am ehesten ein geleerter Futternapf und der ruhig schlummernde Stachelheld.
11.(9.9.00) Apropos Beißen: das kommt immer wieder vor. Sie sollten vielleicht besser überflüssigen «Körperkontakt» vermeiden und genau das auch weiter empfehlen. Sie haben ja ganz richtig mehrfach geschrieben, daß Zähmungsversuche schädlich für das Wildtier sind, genau das greift hier. Ansonsten können Sie nur einfach ruhig abwarten, wenn die Igelchen einmal zubeißen, alles andere (Schütteln) würde den Zubiß nur verstärken! Außerdem können Sie Ihren Babys zur Beschäftigung “Spielzeug” ohne Verletzungsgefahr anbieten, z.B. einen Ast, eine Stück leere Versandrolle aus Pappe, an beiden Seiten geöffnet, einen kleinen beißfesten Gummiball. Vielleicht interessieren sie sich auch dann weniger für Ihre Finger! Solche Spielsachen müssen natürlich auch sauber gehalten bzw. ausgewechselt werden.
12.(10.9.00) Selbst wenn es die richtige Igelmutter gewesen wäre - sie hätte nach so langer Zeit die Jungen nicht mehr angenommen. Eine "Familienzusammenführung" klappt nur, wenn Mutter und Kinder innerhalb weniger Stunden, vielleicht auch noch nach einem Tag wieder zusammengesetzt werden. Ihre Igelchen sind ohnehin - was ihre "Muttergefühle" angeht, auf Sie geprägt.
Ich hoffe, daß Sie von meinen Kommentaren nach Durchsicht Ihrer Seite nicht enttäuscht sind. Sie haben uns ja darum gebeten, auf Mängel aufmerksam zu machen. Jeder Anfänger macht Fehler – und Sie haben sich mit Erfolg redliche Mühe für Ihre Schützlinge gegeben. Da Ihre Website öffentlich zugänglich ist, sollte es um aber so wichtiger sein, daß nichts falsches weitergegeben wird. Deshalb wäre es zum Wohle der Igel für Ihre Leser – möglicherweise hilfesuchende Igelfinder - recht wichtig, wenn Sie die Korrekturen einarbeiten würden. Inzwischen haben Sie sicher unser ausführliches Informationsmaterial erhalten, daß Ihnen auf weitere Fragen Antwort geben kann. Ansonsten können Sie sich gerne jederzeit an uns wenden.
Ulli Seewald
(Pro Igel e.V., stellvertr. Vors. u. Pressereferntin)
...im Internet: www.Pro-Igel.de
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