Der Abschied

 

01.05.01

Anmerkung: leider gibt es kaum noch Bilder. Die Igel habIgel haben wir schon lange nicht mehr bei Tageslicht gesehen und wir wollten sie nicht mit Blitzlich quälen.

Nachdem ich nun so lange Zeit nichts geschrieben habe, gibt es viel zu berichten. Wir haben die Igel doch noch über den Winter behalten. Zwar waren die großen schon schwer genug, aber Moritz und Siberschwänzchen haben keine 600 Gramm erreicht. In manchen Quellen steht zwar, dass alle Igel ab 500 Gramm gute Chanchen haben, den Winter zu überleben. Aber manchmal findet man auch den Hinweis, im ersten Jahr sollten sie mindestens 600 Gramm haben.

Wir haben hin und her überlegt, ob wir wenigstens die 3 Großen freilassen sollten, aber dann hätten wir sie "aussperren" müssen, damit nicht auch die Kleinen weglaufen. Und das wollten wir auch nicht, weil sie dann nicht zur gewohnten Fressstelle (es überläuft mich immer noch kalt, wenn ich ein Wort mit 3 "S" hintereinander schreibe, ob ich mich jemals an die neue Rechtschreibung gewöhne?) hätten kommen können. Eines Tages hat Andrea dann einfach das Freigehege deutlich vergrößert, einen riesigen wacholderartigen Busch mit eingezäunt. Damit hatten die Igel dann bestimmt 30 Quadratmeter zum Rennen und Stromern, was sie mit großer Begeisterung aufnahmen. Sie liefen trotzdem noch oft am Zaun entlang, aber sie waren auch viel im Busch unterwegs.

 

gehegeNoZaun_small
Das Igelgehege (schon ohne Zaun)

 

Als es kälter wurde, haben wir von ihnen fast gar nichts mehr gesehen. Die teuren Igelkuppen entsprachen wohl nicht ihren ästhetischen Bedürfnissen. Alle hatten sich in dem Riesenbusch, der alleine bestimmt 5 Quadratmeter misst und unglaublich dicht ist, einquatiert. Jeden Abend hat Andrea das Fressen (und Wasser) nachgesehen und frisches hingestellt. Außer den Igel labten sich zumndestens noch etliche Vögel daran. Hier und da konnten wir abends noch den einen oder anderen Igel sehen, der herumstrommerte, aber es war schon zu kalt, um auf sie zu warten.

Als es dann richtig eisig wurde, haben wir trotzdem immer wieder nach dem Futter gesehen. Denn wenn ein Igel aus irgendwelchen Gründen aus dem Winterschlaf aufschreckt, braucht er dringend Kalorien um zu überleben. Die Amseln und andere Vögel haben sich sehr darüber gefreut. Dieses Jahr wurde es ja bereits Anfang Februar recht warm. Zuerst machten wir uns Sorgen, weil unsere Igelchen nicht aufwachten. Aber meine Schwägerin Uki, die zum wiederholten Male einige Igel überwinterte, meinte, das könne noch ein ganzes Weilchen dauern.

So übten wir uns in Geduld und siehe da, Anfang März erschienen die ersten Igel wieder im Gehege. Zuerst schienen sie recht scheu, liessen sich kaum blicken. Aber schon nach wenigen Tagen wurde Andrea beim Essenbringen wieder beschlabbert und das Igelchen hat sich danach mit großer Begeisterung bespreichelt (hatte wohl ganz vergessen, wie Andreas Hand schmeckt). Zuerst war es ein Igel, dann 2, dann 3. Aber danach war erst mal Pause. So langsam fanden wir uns damit ab, dass wohl nicht alle den Winter überlebt haben. Wahrscheinlich waren die beiden "zarten" Igel, Moritz und Silberschwänzchen doch nicht stark genug gewesen. Wir trösteten uns mit dem Gedanken, dass ohne unser Eingreifen alle 5 Igel todgeweiht gewesen wären.

 

WeisNichWer_small
Einer der "Frühaufsteher". Entweder Silver oder Max.

 

Aber siehe da, zu unsere großen Freude hatten die beiden doch den Winterschlaf überstanden. Sie waren nur Langschläfer und wachten 3 Wochen später auf! Als Andrea den ersten der beiden sah, war er noch völlig verschlafen, torkelte fast, lief zum Futterhaus und schlug sich erstmal mit lautem Schmatzen den Bauch voll. Leider konnten wir die Igel jetzt nicht mehr sicher auseinanderhalten. Sie waren (zum Glück) sehr viel weniger vertrauensseelig als früher, kugelten sich schnell zusammen und ließen sich nicht mehr unter den Rock schauen. Manchmal wollte der eine oder andere, wenn er uns sah, noch an der Hand schlabbern, aber das waren seltene Gelegenheiten. Uns war das im Prinzip ja recht, schließlich sollte sie ein freies, wildes Leben führen (auch wenn wir uns manchmal mit Wehmut an früher erinnern). Wir haben uns ihnen auch nur noch so selten wie möglich genähert. Einen großen Igel (wahrscheinlich Silver) haben wir gewogen und er hatte ein Gewicht von knapp über einem Kilo! Zuerst dachten wollten wir alle noch einmal wiegen und untersuchen, aber dann dachten wir uns, dass wir damit nur die Igel stören und es ja eigentlich keinen Sinn hat.

Am 1.4. war es dann so weit, Andrea hat den Zaun abgebaut (bis auf ein kleines Stück in Richtung Straße, um den Igel einen "Drall" hin zu ungefährlicheren Regionen zu geben). Tja, da saßen wir dann, mit Fotoapparat und Camcorder bewaffnet, um den Auszug der Igel zu dokumentieren. Aber zuerst ließ sich stundenlang keiner blicken und es wurde dunkler und dunkler.  Aber schließlich, so gegen 22:15, kam der erste Igel aus dem Busch. Nach einer Weile lief er dorthin, wo zuvor der Zaun gewesen war. Nun stand da, dank der guten Düngung der vergangenen Monate, nur noch ein hoher Grasstreifen. Irgendwie kam das dem Igel (ich glaube, es war Silberschwänzchen) wohl nicht so geheuer vor. Immer wieder lief er am Gras hin und her und endlich, schwups, polterte er durch das Gras hindurch und lief in den Garten. Hier stromerte er hin und her, versuchte wohl alles mögliche zu fressen und verschwand später hinter dem Komposthaufen. So langsam wagten sich auch die anderen in`s Freie und erkundeten die "Welt". Wir saßen bis spät in die Nacht im Garten und sahen (soweit bei Dunkelheit möglich) den Igeln zu und leerten zur Feier des Tages ein Flasche Champagner. Etwas wehmütig war uns schon um`s Herz, aber eigentlich überwogen Freude und Stolz.

 

camcorder_small
Tja, mit Filmen war dann doch nichts, die Igel liessen sich zu viel Zeit.

 

Die Futterschalen sind morgens weiterhin leer. Eine Zeit lang waren wir nicht so sicher, ob die Igel das Futter fressen oder anderen Tiere. Aber nachdem es letzte Woche so schön warm war, saßen wir in der Nacht vor dem 1. Mai mit Freunden im Garten. Und gegen 22:30 kam da der erste Igel durch den Zaun. Als er uns sah, huschte er zunächst wieder zurück, blieb dann am Lichtrand sitzen. Nach einer Weile näherte sich Anderea ihm, um ihm zu zeigen, dass wir es sind und er keine Angst zu haben braucht. Aber der Igel schimpfte nur "Sch-Sch-Sch!" und verschwand im Gebüsch. Den Manieren nach kann es eigentlich nur Miss Piggy gewesen sein. Einige Zeit später kam ein anderer Igel aus einer anderen Richtung angepest und lief zum Fresshäuschen, wo er sich hörbar den Wamst vollschlug.
Wieviele Igel noch zum Fressen kommen, wissen wir nicht. Der Futtermenge nach sind es bestimmt 3-4. Einer davon scheint jedoch ein Gastigel zu sein. Zweimal schon haben wir einen besonders kleinen Igel gesehen, wie er im Futterhäuschen verschwunden ist. Andrea konnte ihn einmal genauer betrachten und ist sich sicher, dass es keiner von "unseren" ist. Er ist viel kleiner und hat eine richtige "Hungerfalte", während unsere schon beim Aufwachen gut ernährt erschienen. Anscheinend hat es sich herumgesprochen, dass es bei uns einen Imbiss für Igel gibt.

 

24.06.01

Es hat sich eigentlich nichts verändert. Immer noch kommen nachts einige Igel zum Fressen. Wer genau, können wir gar nicht sagen, dazu sehen wir zu wenig von ihnen. Nur Silberschwänzchen (glauben wir) kam uns vor einigen Wochen “richtig” besuchen, als wir abends im Garten saßen. Wir konnten wider besseren Wissens nicht widerstehen, sie zu streicheln, was sie damit beantwortete, dass sie die Hand anschlabberte und wie früher auf sie hinaufkletterte. Fast kam es uns vor, als wollte sie sich bedanken, aber das ist natürlich nur eine Vermenschlichung der Igelsitten.

Unsere Igel haben aber anscheinend immer noch gewisse Ansprüche an uns. Derzeit dürfen wir nichts von ihrer Diät (diverse Nüsschen, Mandeln, Bananenchips und Katzenfutter) weglassen. Fehlt etwas davon, dann rumoren sie anscheinend des Nachts und wir finden die ausgelegte Zeitung verwühlt und häufig eine Portion Kot in einer der Fressschalen (was sie sonst nicht mehr machen). Aber vielleicht sind dieses Beobachtungen auch nur Zufall. Auf jeden Fall freuen wir uns immer, wenn wir abends einen Igel schemenhaft durch den Garten pesen sehen und dann hören, wie er sich geräuschvoll den Wamst vollschlägt.

So das war es jetzt aber wirklich. Die Geschichte ist erzählt und zu Ende. Zum Glück haben wir alle unsere Igel durch die Kindheit und den ersten Winter gebracht. Ab jetzt gehört ihr Leben ihnen selbst. Es war eine schöne, auch wenn manchmal furchtbar anstrengende Zeit mit ihnen, aber jetzt sind sie erwachsen und sollen ein natürliches Leben ohne Menschenkontakt führen. Wenn sie uns weiter besuchen, werden wir dankbar sein, sie aus der Ferne beobachten zu dürfen. Und sicherlich werden wir immer wieder, wenn wir einen Igel sehen, an "unsere" Igel zurückdenken. Irgendwann werden wir das Katzenfutter weglassen, aber ein Schälchen Nüsse werden sie noch lange in unserem Garten finden.

 

Tipp: Wenn Du selber etwas für Igel tun möchtest, dann schau doch mal auf die Seiten der Igelvereine (z.B. Pro-Igel e.V. und Verein "Igelfreunde Stuttgart").  Die sind für Spenden sehr dankbar. Auch in Deiner Region gibt es bestimmt Vereine oder einzelne Menschen, die sich um Igel kümmern und eine Spende oder auch Mithilfe gut gebrauchen können. Um das herauszufinden kannst Du z.B. beim örtlichen Tierheim nachfragen.

 

champus

Mit dieser Flasche feierten wir die Freiheit der Igel

 

Andrea und Matthias

 

20.09.02

Von wegen die Geschichte ist erzählt und nun zu Ende. Sie scheint sich im Gegenteil zu einer “Never-Ending-Story” zu entwickeln...

Nachdem wir die Igelchen in die Freiheit entließen, sahen wir zunächst eine ganze Weile immer wieder den einen oder anderen von ihnen im Garten. Gerade Silberschwänzchen ließ es sich nicht nehmen, uns einige Male zu besuchen, wenn wir mit Freunden abends an der frischen Luft saßen. Sie kam noch nach Monaten sehr nahe an uns heran, so dass wir das eine oder andere Mal nicht wiederstehen konnten und sie am Hals kraulten, was ihr weiterhin behagte. Aber auch diese Zutraulichkeit nahm langsam ein Ende und im Laufe des Sommers sahen wir nur noch hier und da von weitem einen unidentifizierbaren Igel durch den Garten stromern.

Über lange Zeit hatten wir immer wieder Futter in das Igelhäuschen gestellt, aber die Igel besuchten es schließlich nicht mehr regelmäßig, so dass wir es nur noch selten füllten. Als die Nächte im Herbst kälter wurden, intensivierten wir unseren Service vorrübergehend wieder. Dies wurde auch dankbar angenommen, von wem konnten wir jedoch nicht sagen; da das Wetter nicht mehr dazu verführte, abends stundenlang im Garten zu sitzen, sahen wir kaum etwas von unseren Tischgästen.

In diesem Jahr haben wir nur sporadisch einige Nüsschen in herausgelegt, wenn wir wieder einmal von weitem einen Igel erspähten. Wir dachten, nun sei Normalität eingekehrt, unsere Igel waren ihren Weg gegangen und lebten hoffentlich glücklich und zufrieden ihr eigenes Leben.

Und dann hörten wir vor einigen Wochen nachts ein hohes Quieken im Garten, dass uns merkwürdig vertraut vorkam. Aus Angst, dass wieder hilflose Igelchen herumirrten, gingen wir mit einer Taschenlampe bewaffnet auf die Suche, fanden aber nichts. Tage später sah Andrea tagsüber einen großen Igel, der in einem unserer Igelhäuser verschwand. Nun ja, wir reaktivierten das Futterhäuschen und hörten unseren Gast auch einige Male schmatzend Nüsse und anderes Futter verschlingen.

Und vor drei Tagen ging ich abends die Kellertreppe hinauf und sah ein kleines Igelchen von vielleicht 100 Gramm, das rotzfrech und ohne jede Angst wie ein Berserker an einem vor der Garage liegenden Eierkarton zog. Ich dachte zunächst “Oh Gott! Nicht schon wieder!” und rief Andrea dazu. Gemeinsam suchten wir die Umgebung ab, da wir fürchteten, wieder einen verlassenen Igel gefunden zu haben. Aber in der näheren Umgebung fanden wir keine Artgenossen des kleinen Rabauken. Etwas beruhigter waren wir, nachdem wir sahen, dass unser Kleiner quicklebendig und schnell wie der Teufel war.

Schließlich ging ich in das Haus, während Andrea hinten im Garten das Futterhäuschen füllen wollte. Wenig später kam sie lachend zu mir und sagte “Der ganze Rasen ist voller Igel”. Ganz vorsichtig begleitete ich sie nach hinten und tatsächlich, verstreut über den nachtschwarzen Rasen fanden sich fünf weitere kleine Igelchen. Zum Teil lagen sie einfach im Gras, teilweise pesten sie durch die Gegend, einer schnaufte uns sogar ganz “böse” an. Wir sahen ihnen eine Weile still aus der Entfernung zu und gingen dann schlafen. Etwas Sorge hatten wir schon, da wir kein Muttertier bemerkt hatten. Fotos haben wir natürlich nicht gemacht, um unsere Gäste nicht zu verschrecken.

Aber Mutter Igel machte Andrea am nächsten Abend ihre Aufwartung als diese Futter nachfüllte. Anscheinend wartete sie mit einigen der Kleinen schon darauf, dass endlich serviert wird und alle Stachelhäuter verschwanden gleich im Häuschen, nachdem Andrea sich zurückgezogen hatte. Kurz darauf war erneut das altbekannte Schmatzen zu vernehmen. Am nächsten Nachmittag sahen wir das eine oder andere der Igelkinder bei dem Igelhaus unter dem Wacholderbusch, der die Kinderstube “unserer” Igel gewesen war. Andrea meint, die Kleinen müssen von Silberschwänzchen sein, da zumindest einige einen ebenso schönen Fellkragen haben.

Heute waren die Igel seltsamerweise in einem der anderen Igelhäuser. Zumindest hoffen wir, dass es die gleichen Igel waren, nicht dass wir gleich zwei Familien beherbergen. Allerdings scheint so ein Igelhaus nicht für Großfamilien geeignet zu sein; als Andrea aus der Entfernung sah, dass das Haus belegt war, purzelte gerade ein Igelchen aus dem Eingang, kroch wieder hinein, nur damit es (oder ein anderes) gleich wieder hinausrutschte. Nach ein wenig Gedränge waren alle verstaut, aber in Kürze muss die Familie wohl in ein anderes Quartier umziehen.

Auch wenn wir nicht wissen, ob unsere Gastmutter wirklich Silberschwänzchen (oder Miss Piggy oder Silver) ist, so ist es doch ein sehr schönes Gefühl sie mit ihren Kleinen bei uns im Garten zu haben.

 

19.04.03

Und noch ein kleiner Igelbericht...

Im letzten Herbst haben die Igel unser Futterangebot weiter gerne angenommen und manchmal hörten wir sie andends durch den Garten pesen oder schmatzend im Futterhäuschen sitzen. Irgendwann hat wohl die Familie aufgelöst und die KLeinen gingen ihre Wege. Wie viele von ihnen in der Nähe blieben, können wir nicht sagen, dazu kamen wir ihnen nicht nahe genug.

Als es anfing kalt zu werden, entdeckte Andrea ein kleines Igelchen, vom Ansehen her grad so über der Gewichtsgrenze für die Überwinterung im Freien, der sich ein völlig blödsinniges Nest unter einem dünnen, kaum Schutz bietenden Büschchen baute. Andrea schloß messerscharf: so blöd kann nur ein Nachfahre unserer Igel sein :-)

Am nächsten Tag war er immer noch dort. Wir hatten Angst um ihn, denn das kleine Kerlchen hätte in seinem Zugluftpalast den Winter wohl kaum überlebt. Nach langem hin und her hat ihn Andrea dann in eines der Igelhäuschen umquatiert. Zuvor hatte sie es behaglich mit Blättern ausgepolstert und ihm, in Imitation der Igeltechnik, eine schöne Kuhle in die Liegefläche gedreht.

Zu unserer großen Erleichterung hat der kleine Igel das neue Eigenheim auch gerne angenommen. Am nächsten Abend sauste er immer wieder hinein und hinaus, brachte noch mehr Blätter das Haus und drehte und wendete sich darinnen, um die Kuhle nach seinen Anforderungen anzupassen.

Bald danach wurde es eisig kalt. Wir sahen immer wieder mal nach dem Futter und ließen den Winter über zumindest einige Nüsschen im Futterhäuschen. Im Frühjahr warteten wir gespannt auf die kleinen Stachelratten, aber es dauerte wieder ein ganze Weile, bis sie sich im März aus ihren Quatieren wagten. Auch dann sahen wir sie zunächst nicht, nur das Futter war immer wieder leer gefressen, Igelkot fanden wir keinen. Wir hatten schon etwas Sorge, was für Tiere wir wohl ernährten, um so mehr, da Andrea ein Etwas mit einem verdächtig langem Schwanz unter dem Treppenaufgang verschwinden sah. Nicht dass wir etwas gegen Ratten hätten, aber in unerem Garten oder gar im Hausbereich möchten wir es ihnen doch nicht zu gemütlich machen.

Andrea entschloss sich daher eines Abends vor ca 2 Wochen, kein Dosenfutter, sondern nur Nüsse und Müsli in die Schalen zu füllen. Und prompt erhielten wir eine deftig-igelmäßige Quittung für diese Unverschämtheit: Am nächsten Morgen war das Zeitungspapier, mit dem das Futterhäuschen ausgelegt war, völlig verwüstet und im ganzen Häuschen, besonders aber in der Futterschale, war Igelkot. Nun ja, als Igel setzt man sich nicht hin und schreibt einen Beschwerdebrief, ein richtiger Igel lässt seinem Herzen (oder besser einem anderen Körperteil) freien Lauf.

Hin und wieder sahen wir in dann einen Igel durch den Garten zum Futterhäuschen laufen oder hörten ihn drinnen schmatzen. Vor einer Woche entdeckte Andrea am Abend einen kleineren Igel, vielleicht den von ihr im Herbst umgebetteten, auf dem Weg zum Napf. Er schien noch sehr vom Winterschlaf erschöpft, pausierte nach einigen Metern und schleppte nach der erzwungenen Abmagerungskur so große Hautfalten mit sich herum, dass er immer wieder beinahe über sie stolperte. Kaum war er im Häuschen, ertönten wieder die bekannten, “melodischen” Fressgeräusche.

Alle habe es aber leider nicht geschafft. Beim Zurückschneiden des Efeus, der unseren Gartenzaun bewuchert, sah Andrea in einem kleinen Waldstreifen gleich neben unserem Grundstück die Überreste eines kleinen Igels mit Rückgrat, Rippen und Stacheln. Aber was soll man machen, so ist der Lauf der Welt. Kämen immer alle Igel durch, dann müssten wir bald alle knietief in wuselnden Stachelhäutern waten.

Bevor wir unsere Igelbabys aufzogen, war mir überhaupt nicht bewusst gewesen, wie belebt doch unsere Umgebung ist. Gerade Igel waren für mich überhaupt nicht präsent gewesen. Wenn ich einmal auf einem abendlichen Spaziergang einen sah, erschien mir das schon wie ein Wunder der Natur und ich war voller Sorge über das arme Wildgeschöpf, dass sich in unsere Wohnkultur verirrt haben musste. Inzwischen bin ich mir aber nicht mehr so sicher, wem die Stadt “gehört”, den Menschen oder aber den Tieren :-) Wir stellen jetzt seit 2 Jahren in Frühjahr und Herbst Futter für die Igel in ein geeignetes Häuschen und in diesem Jahr wieder nutzen mehrere Igel dieses Angebot gerne. Wenn es abends um Acht dunkel wird, sitzen sie in ihren Startlöchern, um als erste zum Napf zu eilen. Andrea schwört Stein und Bein, dass sie kommen, sobald die Nachbarn ihre Rollläden herunterlassen. Speziell einer einige Häuser weiter, der beim Schliessen immer ein knallendes Geräusch verursacht, soll der “Startschuss” sein. Wahrscheinlich sind wir in einem Gourmet-Restaurantführer für Igel mit einem Stern bedacht worden :-)

Ich weiß nicht, wie es in anderen Gegenden aussieht, aber mir sind die Igel ein Trost. Zeigen sie mir doch, dass sich auch in unserer technisierten Gesellschaft, in der immer mehr ökologische Nischen schwinden und Tierarten bedroht sind, die Natur nicht völlig unterkriegen lässt. Auch der Igel ist bedroht und vielen Gefahren ausgesetzt, aber seit mein Blick durch die eigenen Erlebnisse geschärft wurde, sehe ich überall in der Umgebung Stachelhäuter.

 

08.07.06

Jetzt ist es bald 6 Jahre her, dass wir die Igelchen fanden, und immer noch sind sie ein Teil unseres Lebens. Jetzt, wo das Wetter so warm ist, und wir öfters lange im Garten sitzen, begegnen wir immer wieder dem einen oder anderen Stachelgesellen. Dass einer unserer Igel darunter ist können wir nicht hoffen; auch unter besten Umständen wird ein Igel nur 7 oder 8 Jahre alt. Aber seit unserem Erlebnis sind wir für die kleinen Freunde sensibilisiert und freuen uns jedesmal, wenn einer von ihnen durch den Garten poltert. Neulich sahen wir ein Fußball-WM-Spiel mit Freunden im Garten und erhielten Besuch von insgesamt 3 Igeln, von denen der eine ganz jämmerlich mager war. Also gaben wir Katzenfutter und Wasser in seine Nähe und hörten ihn schon bald zufrieden schmatzen.

Allerdings stellen wir nicht mehr regelmäßig Futter hinaus, sondern nur dann, wenn wirklich bedürftige Igel da zu sein scheinen.

 

Babyzeit - Igelkinder - halbstarke Igel - Abschied - Fehler

zurück zu Matthias
zurück zur Wertstofftonne
zurück zu Tierleben