Standby & Co; die heimlichen Stromfresser im Haushalt
Früher war die Sache einfach; praktisch jedes elektrische Gerät hatte einen Netnen Netzschalter, der es vollständig vom Netz trennte. Doch moderne Computer, Drucker, Monitore, Fernseher, Videorekorder u.s.w. gehen beim “Ausschalten” meist in einen Standby-Zustand in dem sie weiter, wenn auch meist deutlich weniger, Strom verbrauchen. Laut BUND wird in Deutschland etwa so viel Strom durch Standby-Geräte verschwendet, wie die Großstädte Berlin und Hamburg zusammen verbrauchen. Dabei werden pro Jahr weltweit 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid produziert; die reinen Stromkosten betragen für einen deutschen Durchschnittshaushalt etwa 125 DM (Zahlen von 1999; Quelle).
(Informationen zu den gebräuchlichen Energie-Gütesiegeln für Haushaltsgerätefinden Sie z.B. bei energynet.de, für Bürogeräte bei der österreichischen EVA )
Computer und Peripheriegeräte:
Fährt ein moderner ATX-Computer herunter, dann schaltet er sich selbstständig “aus”, wird dabei aber nicht völlig vom Netz getrennt. Im “ausgeschalteten” Zustand darf auch ein mit dem Energielabel des GED ausgezeichneter Rechner noch 5 Watt verbrauchen. Meist existiert noch ein “richtiger” Netzschalter, dieser sitzt jedoch für gewöhnlich an der Geräterückseite am Netzteil und ist damit nur unbequem zu bedienen.
Ähnliches gilt für moderne Monitore und Drucker, bei denen man manchmal den “echten” Netzschalter vergeblich sucht. Manche von diesen Geräten verbrauchen über das Jahr gerechnet im “ausgeschalteten” Zustand deutlich mehr Strom als bei ihrer eigentlichen Arbeit. Gerade bei manchen Druckern scheint der “Ausschalter” nur die Kontrollleuchte abzuschalten, ihn Energieverbrauch sinkt nicht erkennbar. Allerdings interpretieren viele Tintenstrahldrucker eine Trennung vom Netz als Hinweis auf eine längere Phase der Inaktivität und führen beim Einschalten eine ausgedehnte Reinigung der Düsen durch, die viel Farbe verbraucht und die Lebensdauer des Gerätes herabsetzen kann (viele Drucker interpolieren aus der Häufigkeit der Reinigungsvorgänge wann die eingebauten Tintenauffangbehälter “voll” sind und weigern sich dann weiter zu drucken).
Außerdem sollte man Tintenstrahldrucker immer vor einer Netztrennung mit der Hand “ausschaltet”. Viele Drucker fahren dabei nämlich ihre Druckköpfe in eine geschützte Position. Fällt jedoch ohne Vorwarnung einfach der Strom weg, so kann es sein, dass die Köpfe “offen” stehen bleiben und austrocknen.
Statt jedes Gerät mühsam einzeln ein- und auszuschalten (bzw. zu –stecken), kann man sich mit einer Steckdosenleiste mit Schalter behelfen. Wer das nicht möchte, der kann eine “Master-Slave”-Steckdosenleiste, wie es sie z.B. bei Conrad Elektronik gibt, benützen. Hierbei bemerkt eine selbst sehr sparsame Elektronik in der Leiste, ob das Hauptgerät aktiv ist und schaltet dann den Strom für die anderen Dosen ein oder aus.
Fernseher, Videorekorder und Satellitenreceiver:
Ein Fernseher braucht auch um Standby-Betrieb eine nicht unerhebliche Menge an Energie. Meist wird die Bildröhre “vorgeheizt”, damit das Gerät beim Einschalten schneller ein sauberes Bild liefern kann. Videorekorder haben meist gar keinen echten Ausschalter mehr, da das Gerät ja dafür konzipiert ist, in Abwesenheit des Eigentümers Filme aufzunehmen. Ähnliches gilt für Satellitenreceiver, die, um das Aufnehmen zu ermöglichen, zeitgesteuert auf das jeweilige Programm wechseln müssen.
Von diesen Geräten ist im Allgemeinen der Fernseher der größte Stromfresser im Standby-Modus. Aber auch die anderen Geräte verbrauchen durchaus Strom. So musste ich z.B. bei einem neu erstandenen Videorekorder entsetzt feststellen, dass er seine Innereien laut Handbuch ständig mit einer kleinen “Heizung” wärmt, damit sich bei Temperaturwechsel keine Probleme mit Kondenswasser ergeben.
Wenn man den Videorekorder sowieso nicht zum Aufnehmen benutzt, bietet sich auch hier eine Schalterleiste an. Im Zubehörhandel bekommt man auch Geräte mit mehreren Steckdosen, die den Strom ganz abschalten, wenn der Fernseher in Standby geht und ihn wieder einschalten, wenn man die Fernbedienung aktiviert. Bevor man sich für eine solche Lösung entscheidet, sollte man möglichst ausprobieren, ob man mit ihr gut zurechtkommt und die Steuerung mit der Fernbedienung praktikabel ist.
Wichtig ist, dass man sich schon beim Kauf erkundigt, ob der gewünschte Videorekorder oder Satellitenreceiver alle Einstellungen und Programmierungen auch dann behält, wenn man ihn vom Netz trennt. Wenn man den Fernseher nur kurz ausschaltet, dann lohnt es sich nicht unbedingt, ihn vom Netz zu trennen. Wird die erkaltete Röhre schon nach kurzer Zeit wieder aufgeheizt, dann kann die damit verbundene Abnutzung die Stromersparnis überwiegen.
Telefone, Handys:
Wer ein neues Telefon kauft, liebäugelt oft mit einem drahtlosen Apparat. Der ist natürlich sehr praktisch, weil man sich mit ihm in der Wohnung bewegen kann. Aber anderseits lässt man ihn gerne liegen und muss ihn bei einem Anruf erst suchen. Wenn er dauernd auf der Ladestation liegt, dann altert der Akku meist schneller. Will man ihn jedoch nur bei Bedarf aufladen, versagt er gerne mitten in einem anregenden Gespräch. Und auch wenn es keine verlässlichen Hinweise für eine Gesundheitsgefährdung durch drahtlose Telefone gibt, so vergrößert doch jedes Gerät die Menge an elektromagnetischer “Abfallenergie”.
Entscheidet man sich für ein stationäres Telefon, dann reicht häufig ein Gerät ohne eigenes Netzteil aus. Natürlich brauchen auch diese Telefone geringe Mengen an Strom, die sie aus dem Telefonnetz beziehen. Aber jedes Netzgerät, das irgendwo in Ihrer Wohnung in einer Dose steckt verbraucht auch an und für sich Energie. Und an Telefonen ohne Netzteil kann schon mal weniger kaputtgehen. Darüber hinaus funktionieren sie auch bei einem Stromausfall (solange das Telefonnetz nicht davon betroffen ist).
Die Diskussion über mögliche Gesundheitsgefahren durch Handys ist allgemein bekannt und soll an dieser Stelle nicht weitergeführt werden. Viele Menschen sind jedoch beruflich auf diese Art der Kommunikation angewiesen. Auch hier gilt, dass man das Ladegerät möglichst nur dann in die Dose stecken sollte, wenn man das Handy auflädt, weil es ansonsten unnötig Energie verbraucht.
Haushaltsgeräte:
Vor dem Kauf sollte man sich überlegen, ob man das betreffende Gerät wirklich braucht. Gegen eine elektrische Brotschneidemaschine wird sich wohl kaum etwas einwenden lassen, aber Dinge wie elektrische Dosenöffner oder batteriebetriebene Pfeffermühlen sind ohne großen Alltagsnutzen.
Wo möglich sollte man versuchen, ein Produkt mit einem echten Ausschalter zu erstehen. Bei akkubetriebenen Geräten sollte man sich überlegen, ob sie sich (im Vergleich zu einem Produkt mit Stecker und Ausschalter) wirklich lohnen. Ein Akkuschrauber ist eine tolle Sache für Menschen, die ihn häufig einsetzen. Aber wenn er nur einmal im Jahr benötigt wird, dann ist der Akku vielleicht schon beim zweiten Einsatz hin. Wenn man akkubetriebene Geräte einsetzt, dann sollte man, wenn möglich, das Netzgerät nur zum Laden in die Dose stecken.
Auch die Herstellung und Entsorgung von Akkumulatoren belastet die Umwelt, deshalb sollte man darauf achten, sie pfleglich zu behandeln. Nickel-Cadmium-Akkus mögen es gar nicht, wenn sie lange Zeit ungeladen herumliegen oder aber zu früh wieder geladen werden. Auch wenn sie ständig in einem Ladegerät stecken, das sie mit Strom “überfüttert”, verlieren sie schnell an Kapazität. Am besten halten sie, wenn sie immer wieder benutzt werden und erst dann aufgeladen werden, wenn ihre Energie so ziemlich erschöpft ist (auch eine “Tiefentladung” ist sehr schädlich). Besonders gute Ladegeräte entladen den Akkus übrigens bevor sie ihn mit neuer Energie versorgen.
Allgemeines:
Überlegen Sie sich vor dem Kauf, ob das neue Gerät wirklich sinnvoll ist. Fragen Sie nach dem Energieverbrauch und erkundigen Sie sich, ob es wirtschaftlichere Alternativen gibt. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den eigenen Geldbeutel.
Wenn möglich entscheiden Sie sich für ein Gerät mit echtem Ausschalter. Ansonsten fragen Sie schon beim Kauf, wie viel Strom im Standby-Betrieb verbraucht wird. Erkundigen Sie sich auch, ob Programmierungen und Voreinstellungen erhalten bleiben, wenn das Gerät vom Netz getrennt wird. Eigentlich sollte das aus den Datenblättern ersichtlich sein. Aber auch, wenn der Verkäufer Ihnen keine Auskunft geben kann oder will, wird sich das schnell ändern, wenn immer mehr Menschen beim Kauf von Produkten auf solche Dinge achten.
Überlegen Sie sich, ob sie Geräte ohne echten Netzschalter nicht an eine schaltbare Steckdosenleiste anschließen können. Beachten Sie dabei mögliche Einschränkungen (z.B. Verlust von Programmierungen, keine Aufnahmebereitschaft bei Videorekordern, Notwendigkeit Tintenstrahldrucker zuvor auszuschalten).
Hängen Sie Ladegeräte und Netzteile nur dann an das Netz, wenn Sie sie wirklich brauchen. Jedes Netzteil, das irgendwo in der Wohnung ohne Nutzen in der Dose steckt, verbraucht etwas Strom. Und zusammenaddiert kann das über das Jahr betrachtet merkliche Mengen ergeben.
Links zum Thema:
GED; Gemeinschaft Energielabel Deutschland: Die Gemeinschaft besteht u.A. aud dem Inpulsprogramm Hessen, B.A.U.M., BUND und WWF. Mit dem Gütesiegel ausgezeichnet werden Geräte, die im Standby- bzw. “ausgeschalteten” Zustand besonders relativ wenig Energie verbrauchen (z.B. weniger als 5 Watt für einen “ausgeschalteten” Rechner”). Große Datenbank mit einer Vielzahl von eingetragenen Geräten. Leider wird für das Gütesiegel weder berücksichtigt, ob das Gerät einen “echten” Ausschalter besitzt, noch ob z.B. Programmierungen erhalten bleiben, wenn man es “per Hand” vom Netz trennt. Schade; aus der Idee hätte man mehr machen können.
ernergynet.de: viele Informationen zum Energiesparen für Privathaushalte ( z.B. Wärmeschutz für Häuser, Solarenergie, Energiespartips). Besonders interessant im Rahmen dieses Artikels ist die Broschüren besonders sparsame Haushaltsgeräte im Acrobat-Reader-Format (pdf-Dateien). Sie erklärt u.a. das EURO-Label.
Energieverwertungsagentur EVA: österreichische Gemeinschaft, Mitglieder sind u.a. die Bundesländer und verschiedene Ministerien sowie Vereine und Verbände. Besonders interessant ist die PDF-Broschüre “Beschaffung energieeffizienter Bürogeräte”, die eigentlich für den Universitätsbereich geschrieben wurde. Hier werden auch die verschiedenen (Energie-)Gütesiegel für Bürogeräte genau beschrieben.
Auf den Seiten des BUND finden sich viele wertvolle Informationen, z.B. die Texte der (alten) Aktion “Stopp Stand-By” oder die Seite “Was ist ein Grüner Computer?”. Tip: einfach die Suchfunktion (von der Startseite aus zugänglich) nutzen und als Suchwort z.B. “Standby” eingeben.
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