Ökostrom

Nicht überall, wo Ökostrom draufsteht ist auch wirklich Öko drinnen. Aber wie kann man wirklich umweltbewußte Angebote von “Trittbrettfahrern” unterscheiden?. Dieser Artikel liefert erste Antworten und weiterführende Links.

Seit der Liberalisierung des Strommarktes kann der Verbraucher unter mehreren Anbietern wählen. Das führte zu einer Flut von neuen Tarifen und teilweise deutlich billigeren Strompreisen. Der Nachteil davon liegt eigentlich auf der Hand; die Anbieter unterliegen nun dem Wettbewerb und viele versuchen ihr Angebot auch durch Zukauf billiger Energie aus dem Ausland preislich unter dem der Konkurrenz zu platzieren. Das führt dazu, dass in Deutschland, wo im internationalen Vergleich sehr hohe Umweltauflagen gelten, Kraftwerke abgeschaltet werden und Arbeitsplätze verloren gehen. Auf der anderen Seite importierten wir alleine aus Tschechien lt. einer Meldung von B5aktuell schon im November 2000 ebenso viel Strom, wie das umstrittene Kernkraftwerk in Temelin produzieren soll.

 

Kraftwerk Franken2
Franken 2, erst vor einigen Jahren modernisiert, ist inzwischen abgerissen. Leider wird es wohl nicht durch ökologisch sinnvolle Kraftwerke ersetzt, sondern durch Stromimporte.

Teilweise kann man auch bei großen Stromversorgern schon heute bestimmte “Stromarten” wie Strom aus Wasserkraft wählen. Dieser Trend führt prinzipiell in die richtige Richtung. Einen ökologischen Sinn ergibt er aber nur, wenn das Angebot mit der Zusicherung verbunden ist, einen Teil der Einnahmen für den Bau weiterer ökologisch sinnvoller Kraftwerke zu verwenden. Die Betreiber besitzen eine große Palette von Kraftwerksarten; z.B. Kohle-, Öl-, Atom-, Wasser- und einige alternative Kraftwerke. Wenn nun aus dieser Mischung bestimmte Kraftwerke gezielt vermarktet werden, dann ändert sich an der Zusammensetzung der Stromgewinnung zunächst nichts. Im Gegenteil, der ökologisch bewusste Kunde wird dadurch, dass er einen (teureren) “ökologischen” Strom wählt, die konventionellen Tarife des Unternehmens “subventionieren”. Außer den großen Stromkonzernen bietet auch eine Reihe kleinerer oder alternativer Anbieter Ökostrom an. Aber auch hier sollte man die Angebote genau prüfen, bevor man sich für eines entscheidet.

Um herauszufinden, wie viel “Öko” wirklich im Strom steckt, sollte man bei folgenden Punkten genau hinsehen:

Auch bei ökologischen Anbietern kommt häufig ein gewisser Anteil des Stroms aus Blockheizkraftwerken, d.h. aus meist kleinen Kraftwerken mit einer Wärme-Strom-Koppelung, durch die auch die “Abfallwärme” noch genutzt werden kann. Wünschenswerter wäre natürlich eine Stromgewinnung rein aus erneuerbaren Energiequellen, aber auch die Blockheizkraftwerke stellen gegenüber dem “normalen” Strommix schon eine deutliche Verbesserung dar (bessere Energieausnutzung, weniger Treibhausgase).

Übrigens: leider ist es nicht möglich, dass der Kunde wirklich “seinen Ökostrom” erhält. Der Produzent speist am Standort des Kraftwerkes Strom in das landesweite Netz ein und der Konsument entnimmt zu Hause Strom aus dem Netz. Der Kunde erhält also “irgendeinen” Strom, während der Produzent eine entsprechende Menge Ökostrom ins Netz einleitet. Aber dem wichtigen Ziel, die Veränderung der Stromproduktion, kommen wir mit jedem Menschen, der sich für Ökostrom entscheidet, ein Stück näher.

 

Links zum Thema:

Der ultimative Dschungel Öko-Stromtarif-Test-Rechner: auf den Dschungel-Seiten des WDR. Hier sind viele Ökostromanbieter mit ihren Tarifen und Angeboten aufgeführt und in 4 Kategorien von “empfehlenswert” bis “nicht empfehlenswert” eingeteilt. Mit Testrechner. Diese Seite gehört auf jeden Fall in die Kategorie “empfehlenswert”.

Gelber und grüner Strom: Ökostromseite der BUNDJugend Berlin. Auch hier viele wertvolle Informationen.

Linkliste von Cleanenergy.de: mit den Adressen vieler interessanter Seiten, unter anderen auch über Ökostrom

Ökostrom - grüner Strom - Naturstrom: Infoseite von BOXER - Infodienst: Regenerative Energie (Dr. Peter Wichmann Regenerative Energie - Projekte, Kulmbach). Viele Informationen über Ökostrom, unter anderen auch über die einzelnen Gütesiegel.

Energie-Zertifizierung: Infoseiten des Tüv Süd über sein Ökostrom-Gütesiegel

Vergleich der Ökostrom-Gütesiegel: auf den Seiten des Öko-Institut e.V. (das sein eigenes Gütesiegel in den Vergleich mit einbezogen hat)

Infos zu dem Gütesiegel “grüner Strom”: auf den Seiten von eurosolar.org. Ziemlich spärlich, aber vielleicht gibt es noch eine bessere Adresse bei eurosolar, die ich nur nicht fand.

Ökostrom, jeder kann mitmachen: Der ZDF-Ratgeber zum Thema Ökostrom mit Infos zu den 3 großen Gütesiegeln

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