Erlang
Durch Erlang wird der Reisende wieder schadlos gehalten. Er findet hier gerade das Gegentheil von Bamberg; aufgeklärte, helle Köpfe, höfliche, fleißige Menschen, und eine der besten Universitäten Teutschlands, eine schöne, regelmäßig angelegte Stadt, sehr gesittete Studenten, die nach den Wienerschen die anständigsten sind, die ich fand. Der Professor macht hier nicht den steifen Pedanten und entzieht sich dem Umgang des Studenten nicht. Beyde gewinnen dadurch. Der Professor gewinnt die Liebe und das Zutrauen des Studenten, und dieser wird durch den Umgang mit jenem gesittet, er bekommt einen gewissen Ehrgeiz der ihn hindert, schlechte Gesellschaften zu suchen, und mit dem Bürger zu kolludiren, und ihn reizt gute Gesellschaften vorzuziehen, und diese sind in Erlangen vorzüglich. Jeden Donnerstag ist in dem Hofrath Groschen Hause öffentliche Gesellschaft, wo jeder Student, von dessen widrigen Aufführung man nicht überzeugt ist, den freyen Zutritt hat.
Die Professoren, die Honoratioren der Stadt, und das hier sehr gebildete Frauenzimmer besuchen diese Gesellschaft. Jedem Fremden von Distinktion ist der Zutritt offen. Gespräche und nicht hohe Spiele sind die Unterhaltung und Beschäftigung der Gesellschaft. Wenn ein Student sich unartig aufführt, so wird er ausgeschlossen.
Es gab und giebt noch Universitäten, wo der Student in Grobheiten zu exzellieren
sucht. Hier kommt der Renommist nicht fort, der Ton des artigen Betragens ist
schon gegeben und allzufestgesetzt, als daß er könnte wankend gemacht werden.
Die Universität Erlang ist nach der göttingischen eingerichtet. Die Professoren
erscheinen auch, wie die auf jener Universität, bey Feierlichkeiten in langen
Talaren mit dem Biret. So geht z.B. die theologische Fakultät in schwarzem
Talar mit schwarzem Sammt ausgeschlagen, die juridische roth mit rothem Biret.
Die Rektorswahlen und andere Feierlichkeiten z.B. öffentliche Reden, werden in der Universitätskirche gehalten. In dieser Kirche hörte ich auch den berühmten Hr. Doktor Seiler über das Evangelium vom guten Hirten predigen. Dieser gelehrte Theologe hat mit seinen Schriften, die auch für den Ungelehrten brauchbar sind, viel Gutes gestiftet und viel Aufklärung ausgebreitet. Seine theologischen Studenten beschuldigen ihn des Stolzes, welches vermuthlich daher kommt, weil er bey seinen vielen Geschäften wenig Zeit hat sich mit ihnen zu unterhalten. Fremde, die zu ihm kommen, haben ohne eine Unbilligkeit zu begehen, nicht über Mangel an guter Aufnahme zu beklagen. Ich hörte auch eine Vorlesung von ihm über die Weissagungen von Christo, die sich mit einem langen Gebet anfieng.
Durch den Tod des sel. Professor Schott, hat die hiesige Universität einen
gelehrten Juristen, und auch einen von der Seite des Herzens schätzbaren Mann
verlohren.
Ü
ber die allgemeine Wohlanständigkeit der Studenten wird genau Aufsicht gehalten.
Auch sind in den neuesten Zeiten Gesetze gegeben worden, die auch auf das Oekonomische
einen Einfluß haben. Die Ausritte bey dem Abzug der Studenten, die Gedichte, öffentliche
Musiken, mit welchen sie sonst zu hundert und mehr, doch in der besten Ordnung
und Anstand durch die Stadt zogen, sind durch Befehle vom Hofe verboten worden.
Außer dem, daß Erlang ein höchst angenehmer Ort ist, sind noch die Lebensmittel in niedrigem Preise, daß der Student für ein mäßiges Geld hier leben kann.
Anständiges Vergnügen bietet Erlang und seine Nachbarschaft dar. Der Schlossgarten steht jedem den ganzen Tag offen, bey Nacht aber wird er geschlossen. Ich traf in dem kleinen Erlang Fiackers an, die vor dem Bruckerthore warten, und die Studenten für geringes Geld auf die benachbarten Dörfer führen, wo Billiards, Kegelbahnen und andere Spiele sind.
Die Stadt Erlang selbst ist eine schöne Stadt, die ganz artig, nahe an dem kleinen Flusse Redniz liegt. Sie besteht aus zween Theilen, der Allstadt und der Neustadt, deren jede ihre besondere Kirche hat.
Die Neustadt ist ein Viereck, das mit einer sehr schönen Mauer aus Quadern umfangen, aber noch nicht ganz vollendet ist. Dieser Flächenraum ist noch nicht völlig bebaut. Die Straßen sind lang, breit, und durchschneiden die Stadt schnurgerade. Die Häuser sind von Backsteinen ganz artig gebaut und zwey Stockwerke hoch. Einige Eckhäuser haben drey Geschosse, welches nicht gut lässet. Die schönsten Plätze sind der Markt, dessen eine Seite das kleine steinerne Schloß einnimmt, und der französische Markt, an welchem die französische Kirche stehet.
Die Altstadt ist nicht ganz gerade durchschnitten, doch sind die Straßen nach dem Brande von 1706 noch erträglich angelegt worden. Beyde Städte zusammen haben 7000 Einwohner. Seit dem großen Verfall der benachbarten Stadt Nürnberg, nimmt Erlang immer an Häusern Menschen und Fabriken zu. Es ist hier eine Zitzfabrik (evtl. Sitzfabrik?), eine Spiegelfabrik und viele einzelne Meister arbeiten in Wolle, machen gute Hüte, feine Handschuhe und Strümpfe.
Wenn vermöge der Unterhandlungen vor dem Teschner Frieden, dieses Land durch Tausch gegen die Lausiz an Sachsen hätte fallen können, so würde dieses von dem Verfall Nürnbergs den größten Nutzen zu ziehen gewusst haben. Der Schlossgarten ist der allgemeine Spazierort der Einwohner Erlangs, sowohl der Vornehmen, als auch der Gemeinen, die sich meist nur des Sonntags einfinden. Die gemeinen Weibsleute und bürgerlichen Mädchen haben einen kontrastirenden Anzug; des Sonntags gehen sie in Seide, oder feinem Kotton, und in den Werkstagen laufen sie barfus und in Lumpen umher.
Die Bäume, Alleen, Hecken, kleine Irrgänge des Schlossgartens sind von Tannen,
die hier wegen des Sandes am besten fortkommen. Der Garten ist also, die Blumen
abgezogen, im Winter eben so schön als im Sommer. Bey dem Eingang in den Garten,
hinter dem Schlosse, ist eine große Fontäne, deren viele Statuen Wasser spritzen.
An der linken Seite des Eingangs ist ein Saal in dessen Mitte eine Fontäne
angebracht ist, die einige 60 Fuß hoch bis an die Platfond des Saals, springt.
Zur Veränderung des Schauspiels werden einige artige Aufsätze auf das Wasser
gesetzt. Eine Krone, mit Lichtern besetzt, wird von dieser Fontäne bis an die
Decke hinaufgetrieben, ohne daß eines der Lichter auslösche. Eine Maschine
läßt das Wasser wie ein Gewölbe über einige brennende Lichter laufen; ein Tambour
schlägt den Wirbel; eine Mühle läuft und mehr. Unvorsichtige von der Seite
und von unten zu benetzen, sind hier einige verborgene Röhren angebracht.
In der Nähe des Gartens ist ein Redoutensaal. In der Stadt liegt eine Compagnie Grenadier, die aber nur die Bewachung des Schloßes hat. Für die Armen wird durch freiwillige Beyträge gesorgt, die in der Stadt gesammelt werden. Einnahme und Ausgabe wird gedruckt und denen mitgetheilt, welche die Beyträge geben.
Die Gegend um Erlang ist meist waldig aber doch angenehm. Die Orte, die von den Erlangern am meisten besucht werden, sind Bruck, Frauenaurach, der Rathsberg, Uttenreuth, wo ein ehemaliger Kammerdiener des Markgrafen einen schönen Garten angelegt hat, und ihn jedem Fremden zu seinem Vergnügen geöfnet hat.