Bamberg
Der hohe Dom mit seinen Thürmen, auf deren Spitzen vergoldete Knöpfe glänzen, und das schöne Kloster Möncr Mönchsberg, das auf dem Gipfel des Hügels steht, erheben sich über die Stadt, und geben ihr ein äußerliches Ansehen, das den Reisenden in große Erwartung setzt, hier eine schöne Stadt zu finden.
Schon der Anblick der Vorstädte, besonders der weitläufigen Vorstadt Gangolf, die fast nur von Gärtnern bewohnt wird, welche in elenden Hütten nisten, stimmt die Erwartungen des Fremden weit herunter. Er kommt endlich in die Stadt, sucht die von Reisebeschreibungen und Geographen gerühmte Schönheit der Häuser und Straßen und findet nichts als alte geschmacklose Gebäude und finstere Gassen, die noch durch das Bergsteigen unangenehmer gemacht werden.
Einige Arme der Rednitz durchschneiden die Stadt. Dieser Fluß vereinigt sich eine Stunden von Bamberg mit dem Main, und gibt der Stadt, da er hier schiffbar ist, viele Vortheile zur Handlung.
Die Einwohner, die sich auf 18,000 belaufen, hier aber auf 40,000 angegeben weren, sind sehr bigott. Sie haben eine Menge Reliquien die Wunder thun und deswegen reichliche Einkünfte verschaffen. Selbst Leute, die aufgeklärt seyn sollten, erzählen diese heiligen Wunder mit einer Ernsthaftigkeit, die man kaum einem Bamberger verzeihen kann.
Ich kam in eine Kirche, wo eben gepredigt wurde und welche ganz vollgestopft mit Menschen war. Die ganze Menge um mich herum schaute auf mich, als ich mich nicht mit Kreuz und Wasser segnete, als ob sie ein noch nie gesehenes seltsames Thier vor sich hätten. Ich wollte diese Eiferer nicht in ihrer heiligen Andacht stören und entfernte mich, so gerne ich auch den von Wundern eines Marienbildes begeisterten Redner noch länger gehört hätte.
Ich habe nie, selbst in den Gebirgen von Kärnthen und Krain unaufgeklärtere Leute gefunden als hier. An allen anderen Orten lacht nun jeder, dessen Denkungsart und Aufklärung nur ein wenig über dem Pöbel erhaben ist, über all die Blindheit, womit das Mönchstum den Verstand der Menschen benebelt. Aber hier ist noch eine dicke Finsterniß, durch welche die Morgendämmerung des Verstandes und der Aufklärung noch in einem halben Jahrhundert nicht wird durchdringen können. Und Bamberg hat eine Universität! – Wo soll man Aufklärung suchen und finden, wenn man sie nicht bei den Musen findet, und wenn selbst Städte, wo die Musen residieren noch in Finsterniß tappen?
Die hiesige Domkirche, ein massives, großes Gebäude, das vier gleiche Thürme an seinen Ecken stehen hat, die kupferne Dächer mit vergoldeten Kugeln haben, ist der rechte Sitz der wunderthätigen Heiligthümer, und welches unzertrennlich damit verbunden ist, großer Reichthümer. Denn wenn die Wunder nicht reichliches Geld eintrügen, so würden sie sich bald verlieren.
Man sieht hier einen Schatz an Gefäßen, silbernen Statuen, ungeheuren Leuchtern und mehr, welche die heilige Andacht hierher gebracht hat. Die ketzerischen Preussen haben im siebenjährigen Krieg der gedrängten Menge an kostbaren Gefäßen ein wenig Luft gemacht, vermuthlich, weil sie es für ein todtes Kapital hielten. Sie gaben damit dem frommen Bamberger Gelegenheit, seinen Eifer für diese Heiligthümer durch neue Schenkungen zu zeigen und sich Verdienste machen zu können.
Diese Hauptkirche Bambergs zählt einige dreyßig heilige Ueberbleibsel. Unter diesen sind von der Milch der Maria, ein Stück der Ruthe Aarons, ein Stück eines Nagels der Kreuzigung, Weirauch der morgenländischen Weisen, nebst Fingern, heiligen Kehlen, Köpfen Schwerdtern und Lanzen.
Das schöne Benediktinerkloster Mönchsberg ist mehr wegen seines schönen Gartens,
als wegen der kostbaren Gefäße, Meßgewänder und alten Gräber merkwürdig.
Die schöne Aussicht, die man auf der Höhe des wahrhaft schönen Gartens, der
in Terassen den Berg hinab angelegt ist, genießt, belohnt die Mühe des beschwerlichen
Aufsteigens, durch die engen Gässchen, die zu ihm aufführen, reichlich. Man übersteht
hier die schöne fruchtbare Gegend, das Schloß Seehof und die Stadt Bamberg.
Außer dem Schlosse, das sehr unbequem den Berg hinauf liegt, ist für den Reisenden hier nichts merkwürdiges zu finden. Er eilt, wie ich, aus einem Ort, wo er nichts als Mirakeln, von Verdammung der Ketzer, von Legenden und Reliquien hört. Das lustigste in Bamberg ist das Militär und seine Manöuvers.
Eine Stunde von Bamberg entfernt, ist das schöne Schloß und Garten Seehof, zu welchen von Bamberg aus eine Allee von Kastanien führt. Das Schloß ist ein Viereck, an dessen jeder Seite ein kleiner Thurm angebaut ist. Die Gänge des Schlosses sind mit einer sehr starken Anzahl von Hirschgeweihen besetzt. Die Zimmer sind im alten Stil möblirt und tapezirt, worunter einige seidene Tapeten sind. Vor dem Schloße liegt eine viereckigter See, an welchen ein Irrgarten angrenzt.
Der Garten hat schöne Terassen, Alleen, Fontänen. Die Stauten, die da waren, und vielleicht den Menschen in seiner natürlichen Gestalt vorstellten, sind – weil sie in diesem heiligen Lande für unanständig und anstößig gehalten wurden – weggenommen, und in einen besonderen Ort eingeschlossen worden, wo sie auch selbst den unheiligen und ketzerischen Fremden nicht einmal auf ihr Verlangen gezeigt werden dürfen. Bigotte und dumme Menschen! wollt ihr den Schöpfer tadeln, der die Menschen so und nicht anders schuf! Unschuldige Statuen waren hier anstößig, aber das Bier und Saufgelag und der viehisch wilde Lärm des besoffenen Pöbels der hier am Sonntage sich vor meinen Augen herumtummelte, ist nicht anstößig. Bey dem Garten ist ein bierhaus, ein allgemeiner Tummelplatz der Bamberger, die hier ihre Andächteley ablegen, und sich das braune Bier bis zur Begeisterung schmecken lassen. Bamberg hat auch in der That sehr gutes Bier, das stärkste, welches ich je trank, und das einzige, was in Bamberg geniesbar ist. Um den Abgang der Statuen im Garten etwas zu ersetzen, sind viele buntfarbige gläserne Kugeln herumgelegt. Ich habe diese Kugeln sonst nirgends, als hier gesehen.
Der Kastellan, der den Reisenden das Schloß zeigt, ist ein artiger, uneigennütziger Mann. Er macht kleine Gebäude mit ihrer Architektur, einzelne Statuen und ganze Gruppen, die mit Muscheln und Schnecken ganz überzogen sind. Ich habe von seinen niedlichen Arbeiten in Wien angetroffen.
Zwischen Bamberg und Erlang liegt das alte hässliche Städtchen Forchheim, das einen unbedeutenden Wall, ein kleines, niedliches Zeughäuschen und eine Garnison von der Bamberger Miliz hat. Reisende, die bey der Nacht ein oder ausreisen, werden hier unter dem Titel Sperrgeld gepresst. Eine Chaise mit zwey Pferden muß 24 Kr. Sperrgeld geben, um durch dieses Nest durchgelassen zu werden.
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